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Hinter den Kulissen
Kiez-Geschichte

Das Böhmische Dorf in Rixdorf — Geschichte für Kinder erklärt

Christine Möllers · Gründerin von PLURI Edutainment
1. Juli 2026 · 4 Min. Lesezeit

Mitten in Berlin-Neukölln, rund um den Richardplatz, liegt ein Dorf im Dorf: das Böhmische Dorf in Rixdorf. Kopfsteinpflaster, alte Höfe, eine Schmiede, die seit Jahrhunderten arbeitet — und eine Geschichte, die weit zurückreicht.

Kurz erklärt: Das Böhmische Dorf in Berlin-Neukölln (Rixdorf) entstand 1737, als rund 300 protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen hier eine neue Heimat fanden — eingeladen vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. Rund um den Richardplatz sind Höfe, die Schmiede, die Bethlehemskirche und der Böhmische Gottesacker bis heute erhalten und frei begehbar.

Kinder gehen durchs Böhmische Dorf Rixdorf auf ein Denkmal zu, im Hintergrund ein Kirchturm

Noch älter als das Böhmische Dorf: 1360

Rixdorf ist viel älter als das Böhmische Dorf. Der Ortskern — damals Richardsdorp — wird schon am 26. Juni 1360 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt: Der Johanniterorden machte aus einem Gutshof ein Dorf. Damit zählt Rixdorf zu den ältesten Dorfkernen Berlins. Erst rund 375 Jahre später, 1737, kamen die böhmischen Familien dazu — daraus wurde Böhmisch-Rixdorf.

1737: Wie das Böhmische Dorf entstand

Am 25. März 1737 kamen rund 300 protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen nach Rixdorf — eingeladen von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Es waren etwa 18 Familien, fast alle aus dem Ort Böhmisch-Rothwasser. Sie bekamen Doppelhäuser und Scheunen, Pferde, Kühe und Ackergerät und blieben mehrere Jahre steuerfrei.

Der König handelte auch aus wirtschaftlichem Kalkül: Der Dreißigjährige Krieg und die Pest hatten Preußen entvölkert. Die Neuankömmlinge waren Bauern und Weber zugleich — tagsüber auf dem Feld, abends am Webstuhl.

Eine eigene Sprache mitten in Berlin

Die böhmische Gemeinde behielt lange ihre Eigenständigkeit: eigene Selbstverwaltung, eigene Gemeinden — und ihre Sprache. Gottesdienste wurden bis zum Ersten Weltkrieg auf Tschechisch gehalten. Die heutige Kirchgasse hieß bis 1909 Malá ulička, die kleine Gasse. Und bis heute wird zu Weihnachten das tschechische Lied Čas radosti gesungen.

'Böhmische Dörfer'? Was der Spruch bedeutet

Vielleicht kennst du die Redewendung: 'Das sind für mich böhmische Dörfer.' Gemeint ist etwas, das man überhaupt nicht versteht — ein Rätsel. Der Spruch geht darauf zurück, dass deutschsprachige Reisende die tschechischen Namen der böhmischen Dörfer weder aussprechen noch verstehen konnten; so wurde 'böhmische Dörfer' zum Sinnbild für alles Fremde und Unbegreifliche. Das Schöne in Neukölln: Hier ist das Böhmische Dorf kein Rätsel, sondern ein Ort, den man besuchen und verstehen kann.

Spuren, die man heute noch findet

Vieles ist geblieben: die Rixdorfer Schmiede, seit 1624 belegt und damit eine der ältesten aktiven Schmieden Berlins. Die Bethlehemskirche, das älteste Gebäude Rixdorfs, mit einer Kugel auf der Turmspitze — solche Turmkugeln dienten früher oft als Zeitkapsel. Dazu das Museum im Böhmischen Dorf in der Kirchgasse 5, der Comenius-Garten und der Böhmische Gottesacker, einer der ältesten durchgehend genutzten Friedhöfe Berlins.

Warum das heute noch zählt

Die Geschichte des Böhmischen Dorfs handelt von Menschen, die ihre Heimat verließen und anderswo neu anfingen — weil sie eingeladen und gebraucht wurden. Solche Wege gibt es bis heute: Menschen ziehen dorthin, wo sie Schutz, Arbeit oder eine Zukunft finden. Rixdorf zeigt Kindern, dass aus Fremden Nachbarn werden können und dass ganz normale Familien einen Ort aufgebaut haben, den es bis heute gibt. Daraus werden gute Gespräche: Warum verlassen Menschen ihr Zuhause? Wer entscheidet, wer kommen darf — und mit welchem Interesse? Was macht einen Ort zur Heimat?

Es geht nicht ums Auswendiglernen von Jahreszahlen, sondern darum, Menschen und ihre Geschichten zu verstehen.

Geschichte zum Selbst-Entdecken

Genau diese Orte werden bei Localnauts zum Spielfeld: Kinder reisen als Crew ins Jahr 1737 zurück und lösen an zehn Stationen Rätsel — mittendrin statt im Buch. Jeder historische Fakt ist mit einer Quelle belegt; was überliefert statt bewiesen ist, sagen wir ehrlich dazu. Alle Belege stehen offen auf unserer Quellen-Seite.

Geschichte steckt nicht im Museum allein — sie steckt in Pflastersteinen, Straßennamen und Gassen.

Alle Quellen ansehen →

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Häufige Fragen

Was ist das Böhmische Dorf in Rixdorf?

Das Böhmische Dorf ist ein historischer Ortskern rund um den Richardplatz in Berlin-Neukölln (Rixdorf). Ab 1737 siedelten hier protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen. Viele Höfe, die Schmiede, die Bethlehemskirche und der Böhmische Gottesacker sind bis heute erhalten.

Wie alt ist Rixdorf?

Der Ortskern Rixdorf (Richardsdorp) wird erstmals am 26. Juni 1360 urkundlich erwähnt, als der Johanniterorden den Gutshof zum Dorf machte — einer der ältesten Dorfkerne Berlins. Das Böhmische Dorf entstand später: Ab 1737 kamen böhmische Glaubensflüchtlinge nach Rixdorf.

Warum spricht man von Böhmisch-Rixdorf?

Weil sich neben dem älteren Deutsch-Rixdorf ab 1737 eine eigenständige böhmische Gemeinde bildete — mit eigener Selbstverwaltung und tschechischer Sprache. 1874 wurden beide Teile vereinigt, 1912 in Neukölln umbenannt.

Kann man das Böhmische Dorf mit Kindern erkunden?

Ja. Mit Localnauts wird der Kiez zur GPS-Schnitzeljagd für Kinder von 8 bis 12: An zehn Stationen lösen sie Rätsel und erleben die Geschichte vor Ort — rund 90 bis 120 Minuten, ohne App, im Browser.

Was bedeutet die Redewendung 'böhmische Dörfer'?

'Das sind für mich böhmische Dörfer' heißt: etwas ist völlig unverständlich, ein Rätsel — ähnlich wie das englische 'it's all Greek to me'. Der Ausdruck entstand, weil deutschsprachige Reisende die tschechischen Namen böhmischer Dörfer nicht aussprechen oder verstehen konnten.

Woher kommt der Ausdruck 'böhmische Dörfer'?

Aus der Zeit, als deutschsprachige Reisende in Böhmen auf viele Dörfer mit tschechischen Namen stießen, die sie weder lesen noch aussprechen konnten. So wurde 'böhmische Dörfer' zum Sinnbild für alles Unbekannte und Unverständliche. In Rixdorf dagegen ist das Böhmische Dorf ein realer, gut erkundbarer Ort.