Das Böhmische Dorf in Rixdorf — Geschichte für Kinder erklärt
Mitten in Berlin-Neukölln, rund um den Richardplatz, liegt ein Dorf im Dorf: das Böhmische Dorf in Rixdorf. Kopfsteinpflaster, alte Höfe, eine Schmiede, die seit Jahrhunderten arbeitet — und eine Geschichte, die fast 300 Jahre zurückreicht.
1737: Wie das Böhmische Dorf entstand
Am 25. März 1737 kamen rund 300 protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen nach Rixdorf — eingeladen von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen. Es waren etwa 18 Familien, fast alle aus dem Ort Böhmisch-Rothwasser. Sie bekamen Doppelhäuser und Scheunen, Pferde, Kühe und Ackergerät und blieben mehrere Jahre steuerfrei.
Der König handelte auch aus wirtschaftlichem Kalkül: Der Dreißigjährige Krieg und die Pest hatten Preußen entvölkert. Die Neuankömmlinge waren Bauern und Weber zugleich — tagsüber auf dem Feld, abends am Webstuhl.
Eine eigene Sprache mitten in Berlin
Die böhmische Gemeinde behielt lange ihre Eigenständigkeit: eigene Selbstverwaltung, eigene Gemeinden — und ihre Sprache. Gottesdienste wurden bis zum Ersten Weltkrieg auf Tschechisch gehalten. Die heutige Kirchgasse hieß bis 1909 Malá ulička, die kleine Gasse. Und bis heute wird zu Weihnachten das tschechische Lied Čas radosti gesungen.
Spuren, die man heute noch findet
Vieles ist geblieben: die Rixdorfer Schmiede, seit 1624 belegt und damit eine der ältesten aktiven Schmieden Berlins. Die Bethlehemskirche, das älteste Gebäude Rixdorfs, mit einer Kugel auf der Turmspitze — solche Turmkugeln dienten früher oft als Zeitkapsel. Dazu das Museum im Böhmischen Dorf in der Kirchgasse 5, der Comenius-Garten und der Böhmische Gottesacker, einer der ältesten durchgehend genutzten Friedhöfe Berlins.
Geschichte zum Selbst-Entdecken
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Geschichte steckt nicht im Museum allein — sie steckt in Pflastersteinen, Straßennamen und Gassen.
Die interaktive GPS-Schnitzeljagd für Familien – ab 3. Juli 2026 in Berlin-Rixdorf.
Häufige Fragen
Das Böhmische Dorf ist ein historischer Ortskern rund um den Richardplatz in Berlin-Neukölln (Rixdorf). Ab 1737 siedelten hier protestantische Glaubensflüchtlinge aus Böhmen. Viele Höfe, die Schmiede, die Bethlehemskirche und der Böhmische Gottesacker sind bis heute erhalten.
Weil sich neben dem älteren Deutsch-Rixdorf ab 1737 eine eigenständige böhmische Gemeinde bildete — mit eigener Selbstverwaltung und tschechischer Sprache. 1874 wurden beide Teile vereinigt, 1912 in Neukölln umbenannt.
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